Bruno’s Geschichte
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Bruno ist jetzt etwas über ein Jahr bei uns und hat sich zum schönsten Hund der Welt Zeit für ein Resumee: |
Der ehemalige “Halter” (der ihm als Welpen den Schwanz hat abschneiden lassen) wollte Bruno vor einem Jahr aufgrund seiner Epilepsie und mit einem amtlichen Schreiben vom Ordnungsamt Eisenach in der Hand abspritzen lassen.
Laut seiner Aussage hätte Bruno bis dato einen kleinen Anfall gehabt und würde zubeissen. Das könne er nicht mehr verantworten.
(Richtig ist: Bruno hat – trotz heiklen Situationen mit anderen Hunden – noch nie zugebissen, dort nicht und auch nicht hier bei uns. Trotzdem er reichlich Bisse einstecken musste, ist er fromm wie ein Lamm geblieben.)
Zeitgleich mit dem Vorhaben des “Halter” hatte ein Tierarzt (ein Dr. Zachen aus Eisenach) Bruno aufgrund dieses einen Anfalls mit der süchtig machenden Droge Luminal zugeknallt.
Der Halter offenbahrte mir gegenüber dann noch, dass er – wenn man ihm die Tötung nicht genehmigt hätte – Bruno ins Tierheim bringen und für immer hinter Gitter sperren lassen wollte. Das Tierheim Eisenach hätte bereits dahingehende Aufnahme-Bereitschaft signalisiert.
Ich hielt die Geschichte von der Tötung anfänglich für ein Druckmittel, warnte den Halter dennoch, eine solche herbeiführen zu lassen, da ich in diesem Fall unter Zuhilfenahme des Tierschutzgesetzes Anzeige gegen ihn und das Ordnungsamt/Veterinäramt erstatten würde. Wir einigten uns darauf, dass ich Bruno so schnell als möglich in geeignete Hände vermitteln würde. Aus dieser Zeit stammt der erste Beitrag in diesem Thread, welcher Bruno helfen sollte sein Leben nicht hinter Gittern fristen zu müssen.
Ein paar Tage später rief der “Halter” mich an und forderte Brunos sofortige Abholung, echauffierte sich weiterhin darüber, dass ich ihn – trotz Kontakte, die ich doch hätte – noch immer nicht weggebracht hätte und bestätigte noch einmal, dass er ihn, sofern er nicht innerhalb 1 Woche weg wäre, töten lassen würde.
Trotzdem ich zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit sah, Bruno unterzubringen, nahm ich ihn vorsorglich sofort zu mir, denn inzwischen traute ich dem Typen alles zu.
Es begann eine schwere Zeit… mit vielen Opfern verbunden, nicht für Bruno, sondern für mich.
Dazu muss man aber die Situation kennen, die ich hier kurz schildern will.
Ich war in dieser Zeit in Thüringen beschäftigt und wohnte – da ich wegen den Hunden nichts anderes bekam – in einer Gartenlaube. Mit mir noch 3 weitere Hunde, eine Zeit lang eine befreite Ziege, ein befreiter Hahn und ein vor dem Verhungern gerettetes Katzenkind.
Bruno hatte in den ersten Tagen schwerste Anfälle. Wenn ein 70 Kilo Hund epileptische Anfälle hat, dann ist das, als hätte sich eine Abrissbirne verselbstständigt.
Die Anfälle kamen immer Nachts oder kurz nach dem Einschlafen. Sie begannen mit Krämpfen am Kopf und endeten im wilden Zucken, Rudern und Umherschlagen mit den Gliedmaßen, dass von einem lauten Quietschen und Jaulen begleitet war.
Auch wenn Menschen mit Epilepsie berichten, sich an niuchts erinnern zu können, so kann ich in Anbetracht der Geräusche, die Bruno von sich gab, nicht glauben, dass er keine Schmerzen empfand.
Das Ganze dauerte ca. 1-2 Minuten während denen er sich komplett entleerte. 5 Kilo Stuhl und ein Eimer voll Urin. Mehr als meine Hände unter seinen Kopf zu legen, damit er sich beim Aufschlagen mit diesem riesigen Kopf nicht verletzte, konnte ich nicht tun.
Dass auch meine Hände somit in seinen Fäkalien herumgeschmiert wurden, nahm ich nur nebenbei wahr.
Nach den Anfällen stand er benommen auf, torkelte völlig unkontrolliert herum, trat seine Fäkalien breit, rutschte darin aus, knallte auf den harten Boden, wälzte sich beim verzweifelten Versuch, aufzustehen in Kot und Urin, knallte dann gegen Einrichtung und Wände und brach nach etwa 3 Minuten mit blutverschmiertem Gesicht in seinen Fäkalien zusammen(die grundsätzlich aus Durchfall bestanden und durch die zu treten ich beim Versuch Bruno zu halten gezwungen war). Nach etwa einer Minute Tiefschlaf stand er dann auf, schüttelte sich und war – zwar immer noch mit blutigem Schaum an den Lefzen – wieder ganz der Alte. Zeit aufzuatmen, ihn komplett abzuwaschen und den gesamten Raum zu säubern. (Immer ca. 2 Stunden und das 3 x pro Nacht eine ganze Woche lang)
Wenn man das auch nur eine Nacht mitgemacht hat, dann versteht man die Resignation, die mich in dieser Zeit ergriff. Ehrlich gesagt, ich hatte Bruno längst aufgegeben, nicht mehr daran geglaubt, dass er jemals ein würdiges Leben haben würde.
Ich war mit den Nerven runter, denn – krankheitsbedingt – kaute Bruno zusätzlich an Allem herum, was greifbar war, meine Klamotten, Stühle, Tische, Kabel, Bettzeug … und er war (trotz anderslautender Äusserungen des ehemaligen “Halters”) noch nicht sauber, entleerte sich, wo immer er gerade stand mit seiner Grösse angepassten Massen an Exkrementen und hatte grundsätzlich Durchfall…
AUSNAHMSLOS JEDER Tierarzt, bei dem ich vorsprach, riet mir zur weiteren Erhöhung des Luminal und zwar genau so lange, bis Bruno anfallsfrei werden würde. Hinweise darauf, dass die Intensität der Anfälle vielleicht gerade mit dem Luminal und – hervorgerufen durch etwaige Nahrungsbestandteile – einer Reduktion des Drogenspiegels im Körper zusammenhingen, wurden komplett ignoriert. “Luminal, das ist ein altes Medikament, tauisebndfach bewährt …”
Die von den Tierärzten geforderte Erhöhung des Medikaments hätte es durchaus auf 5-6 Tabletten pro Tag lebenslang bringen können und da die Wirkung des Luminal mit der Zeit nachlässt, später auch mehr. Da bei einer solch hohen Dosis organschädigende Nebenwirkungen vorprogrammiert waren, riet man mir von tierärztlicher Seite zusätzlich dann entspr. gegensteuernde Medikamente zu verabreichen.
Alles in Allem hätte ich der Pharmaindustrie irgendwann etwa 300 Euro im Monat gesponsort und das eindringlich angeratene regelmässige Aufsuchen der Veterinärmediziner hätte mich in den totalen finanziellen Ruin getrieben.
Wie gesagt – die Vorgehensweise zu Brunos Therapie rieten – nach reichlich Abkassierung – ALLE Tierärzte, die ich aufgesucht hatte.
Glück für Bruno, dass Veganer anders sind…
… und die Wende folgte auf dem Fuss:
In den Anfangstagen musste ich aus Mangel an anderem Futter, das anbieten, was der ehemalige Halter mir mitgegeben hatte. Futter vom privaten Bio-Hersteller…
In den darauffolgenden Tagen, als dann endlich das im Internet bestellte vegane Futter (Pitty Boris vegetarisch) kam und Bruno es genüsslich verspeiste, passierte etwas entscheidendes. Der Stuhl wurde fester und die Anfälle reduzierten sich von 3 x auf 1 x pro Tag. Damit stand eine der Anfallsursachen unzweifelhaft fest und ich wurde auf hervorragende Weise darin bestätigt, den Therapievorschlägen der Tierärzte nicht nachgegeben und auch kein Geld für einen Homöopathen aus dem Fenster geschmissen zu haben.
Nun musste nur noch die Luminal-Droge weg und alles würde gut. Dachte ich und hatte mich verrechnet, denn die Reduktionsversuche des Luminal endeten in schwersten Anfällen, Entzug, der etwa 5-6 mal am Tag auf oben beschriebene Weise unbarmherzig zuschlug. Ich setzte also wieder die alte Dosis von zwei Tabletten pro Tag ein und
begann eine Weile später erneut mit einer Reduktion. Diesmal eine viertel Tablette weniger pro Tag. Nach etwa zwei Monaten – bei gleichsam strenger veganer Ernährung – waren wir – bei einem Anfall pro Tag – auf 2 x eine 3/4 Tablette, entspr. eine halbe Tablette weniger herunter.
Zeit für Hoffnung, Gelegenheit, weiter daran zu arbeiten und irgendwann war er mit dieser Dosis tatsächlich fast anfallsfrei. Die Anfälle äusserten sich jetzt nur noch in einem kurzen etwa 3 Sekunden anhaltenden Zucken mit dem Kopf.
In diesem Zustand kam Bruno für 3 Monate zu irate, die sich um ihn kümmern musste, da ich in der Zwischenzeit (und wegen Bruno) auch die Gartenlaube verloren hatte, letztlich mit den anderen 3 Hunden )plus einem hinzugekommenen, aus 15 Jahren Zwingerhaft befreiten 5 Hund) nur noch zwischen Tür und Angel lebte mit einer Lebensqualität unterhalb des Nullpunktes. Den Hunden gefiel dieses Vagabundenleben zwar, aber für mich war es ein Martyrium ohne Ende.
Eine schwere Zeit (von der ich noch vieles berichten könnte) … aber für Bruno wurde sie zunehmend besser und inzwischen ist er – völlig anfallsfrei! – auf eine halbe Tablette pro Tag herunter. Bald wird er nur noch eine Viertel Tablette bekommen und irgendwann in den nächsten Monaten wird er dank Veganismus! frei von Medikamenten sein.
Das war – als Nachtrag zu seinem Geburtstag – die Geschichte von Bruno, wie sie sich hinter den Kulissen aus schönen Bruno-Fotos hier im Forum abgespielt hat. Ich habe sie aufgeschrieben, um anderen in ähnlichen Situationen den Weg zu zeigen und ganz anderen den schalen Wind aus den Segeln zu nehmen. Es war die Geschichte vom Teufelskreis aus Veterinärmedizin und Pharmaindustrie, vor allem aber die Geschichte einer ehemals verlorenen Seele und nunmehr einem der schönsten, glücklichsten und gesündesten Hunde der Welt.
Rezept des Tages
Gemüsepfannkuchen:
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